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Mitgliederschwund ist ein Fremdwort

Aus dem Genaralzeiger vom 2./3.Oktober 2008

Mit neuem Konzept und dem Schwerpunkt auf der Nachwuchsarbeit entwickelt sich RW Bad Honnef gegen den Trend.

Von Hansjürgen Melzer

BAD HONNEF. ,,Wir sind der einzige Verein in Deutschland mit einem Aufnahmestopp", behauptet der Vorsitzende des TC Rot-Weiß~ Bad Honnef, Nelson Artz. Mitgliederrückgänge von bis zu über vier Prozent im Jahr, wie sie der Deutsche Tennis Bund seit dem Rekordjahr 1994 mit 2,3 Millionen Mitgliedern auf heute noch knapp 1,6 Millionen Mitglieder zu beklagen hat, sind in Bad Honnef ein Fremdwort.

564 Mitglieder, davon 170 unter 18 Jahren, hat Rot-Weiß zurzeit, und da der Club mit seinen sieben Plätzen auf der Insel Grafenwerth wegen des Natur- und Wasserschutzes nicht expandieren kann, hat man vor drei Jahren einen Riegel vorgeschoben. Nur einmal im Jahr werden Mitglieder von der langen Warteliste aufgenommen.

Was brauchen wir einen Nicolas Kiefer, Rainer Schüttler oder Tommy Haas, wenn wir Lina Grabow, Ina Stühr oder Nicklas Kühn haben? Das würden die Verantwortlichen bei Rot-Weiß natürlich niemals sagen, aber stolz sind sie trotzdem auf ihre vielen erfolgreichen Tennis-Kinder. Kreis- und Bezirksmeister wurde der Nachwuchs in diesem Jahr. Acht Kinder gehören dem Bezirkskader an. Unterstützt werden sie vom Förderverein "Jugend und Sport", der vor allem Projekte in der Nachwuchsarbeit finanziert.

Der Vater des Erfolges ist jedoch Cheftrainer Alexander Jakubec, der inzwischen hohes Ansehen weit über Bad Honnef hinaus genießt. Jakubec ist beim im vergangenen Jahr gegründeten Lehrteam des Deutschen Tennis Bundes (DTB) für den Bereich Kindertennis zuständig und zugleich auch Trainerausbilder im Tennisverband Mittelrhein.

Vor einigen Jahren stand Rot-Weiß vor der Frage, weiter ausländische Spieler mit geringem Identifikationspotenzial für viel Geld zur Verstärkung der ersten Mannschaft zu holen, um irgend wann vielleicht einmal den Sprung in die zweite Bundesliga zu schaffen. Weil damals die Nachwuchsarbeit darunter litt, stehen in der ersten Herrenmannschaft heute Spieler aus Unkel, Linz und Aegidienberg.

Weil man heute nicht mehr bereit ist, teure Ausländer zu holen, spielen die Rot- Weißen zurzeit ,,nur" in der ersten Verbandsliga, auch wenn sie zweimal nur knapp die Oberliga-Aufstiegsrunde verpassten. Das kann der Vereinsvorstand jedoch verschmerzen. „Durch die hohe Identifikation mit den Akteuren kann ein Bezirksligaspiel genauso spannend sein wie ein Oberligaspiel", sagt der 2. Vorsitzende Michael Ramlau.

Nicht nur in der Nachwuchsarbeit setzen die Bad Honnefer auf ein neues Konzept. Beim so genannten Umfeldtraining spielen und trainieren große Gruppen, mitunter bis zu 30 Aktive, auf der Insel Grafenwerth gemeinsam. Das gibt den aktiven Vereinsmitgliedern das Gefühl, ein individuelles Training zu erhalten und dennoch Teil einer Mannschaft zu sein. Das mitunter lästige Verabreden mit Spielpartnern fällt weg, zu bestimmten Zeiten gibt es auf der Anlage genügend Gegner.

Das so genannte ,,Play and Stay"-Konzept des Deutschen Tennis Bundes, das von einer kleinen Hochleistungsspitze augeht und in einem breiten Basiskonzept mündet, wobei Tennis als Sport für Jedermann und jedes Alter verstanden wird, praktizieren die Bad Honnefer nach eigener Aussage bereits seit Jahren. „Wir versuchen, die Wettkampfebene flächendeckend anzubieten. Das zeigen auch die riesigen Starterfelder bei unseren Clubmeisterschaften", sagt Artz.

Auch die jüngsten Erfolge und die hart umkämpften Ranglisten bei den Damen 30 und besonders bei den Herren 40 mit zurzeit sogar drei Mannschaften seien dafür ein Beleg.

tcrw

 

 

 

Die Kinder, die von Alexander Jakubek trainiert werden, sind die Zukunftdes TC Rot Weiß

 

FOTO: HOMANN

 

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